Artikel in der Süddeutschen – Altersvorsorgepflicht für Selbständige

30.12.2011, Allgemein, Altersvorsorge

Nach der Überschrift beginnt der Artikel wie folgt:  ”Das Risiko, im Alter arm zu werden, ist für Selbständige besonders hoch. Die CSU will deshalb eine Pflicht zur Altersvorsorge für Freiberufler einführen.

Nicht selten werden Worte  synonym verwandt, die es aber gar nicht sind…

Derartig einfache Fehler sind nur ein Beispiel für die Oberflächlichkeit mit der das Thema Altersvorsorge häufig öffentlich dargestellt wird.

Ein Freiberufler, ist jemand der einen freien Beruf ausübt,  er zahlt keine Gewerbesteuer und ist mit Blick auf seine Altersvorsorge fast immer (wenige Berufe haben eine Ausnahme) in eigenständigen Versorgungswerken (nicht in der Deutschen Rentenversicherung!)  pflichtversichert. Interessant ist die Geschichte, wie es zum Status der “Freien Berufe” kam und wie sich ihre Vorteile ergaben, die es heute teilweise immer noch gibt (Gewerbesteuerfreiheit), die sich aber mit einem demokratischen Verständnis kaum mehr in Einklang bringen lassen.

Ein Selbständiger ist Gewerbetreibender , zahlt Gewerbesteuer und ist hinsichtlich seiner Altersvorsorge bis auf wenige Ausnahmen selbst verantwortlich.

Altersvorsorgeberatung heißt bei mir:

  1. Bedarf an Altersrente nach heutiger Kaufkraft
  2. Berücksichtigung möglicher Ansprüche der Deutschen Rentenversicherung und/oder anderer Versorgungsträger
  3. Berücksichtigung aller möglichen Kapitalzuflüsse in der Arbeits- wie Rentenbezugsphase
  4. Berücksichtigung von zwei Inflationsszenarien
  5. Berücksichtigung der Erträge nach ihren Steuerarten
  6. Berücksichtigung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge

Nach 25 Jahren Beratungserfahrung kann ich bestätigen, dass nur ein geringer Teil der Selbständigen, die finanziell die Möglichkeit haben, willens sind, sich der Aufgabe Altersvorsorge zu stellen. Den Artikel aus der SZ  können Sie hier lesen: http://www.sueddeutsche.de/politik/initiative-fuer-klausur-in-wildbad-kreuth-csu-plant-altersvorsorge-pflicht-fuer-selbstaendige-1.1246660

Umgehend antwortete Marc Beise mit einem Kommentar in der Süddeutschen auf die Ankündigung der CSU.
Und in ewig gleicher Weise beginnt die Positionierung der eingefahrenen ideologischen Standpunkte.
Die Überschrift:  ”CSU als Linkspartei” Und darunter beginnt schon der pol. Irrweg. “…nicht jedes Lebensrisiko….”

http://www.sueddeutsche.de/politik/pflicht-rentenversicherung-fuer-selbstaendige-csu-als-linkspartei-1.1246820

Gehört die Altersrente und ihre Finanzierung in die Kategorie “jedes Lebensrisiko”, oder ist es ein existenzielles Lebensrisiko?

Es gibt einige Studien, die zeigen, dass Selbständige ungenügend  für ihr Alter vorsorgen. Der notwendige Kapitalstock für die Finanzierung einer zumindest notwendigen Altersrente reicht nur bei einer Minderheit der Selbständigen. Die Finanzierung einer ausreichenden Altersrente mit Blick auf den bisherigen Lebensstandard realisiert sich nur bei wenigen Selbständigen.

Schlecht wäre es, wenn die Einbindung der Selbständigen z.B. in die Deutsche Rentenversicherung  nicht mit einer Reform der Rentenanpassungsfaktoren einher ginge. Die Steigerung der Renten nach einem statistischen Warenkorb vorzunehmen, der für den Großteil der Rentner typisch ist, muß ein politisches Ziel sein.

Entscheidend wird sein, ob die Deutsche Rentenversicherung bei einer derartigen Reform generell die Rentenhöhe im Verhältnis zu den eingezahlten Beiträge und den weiteren rentenrechtlichen Anerkennungszeiten  zu einer für das Individuum gerechten Lösung zusammenführt.  Da dies nicht anzunehmen ist, muss die Wahlmöglichkeit eines Versicherungsträger für die Selbständigen gegeben sein.

Es wäre einfach und ohne viel Aufwand zu prüfen, ob Selbständige z.B. zum 35., 40., 45., 50., 55., 60. Lebensjahr einen erworbenen Mindestrentenanspruch nachweisen können. Die Erfahrung lehrt, dass dies anhand der Garantierenten der privaten Versicherer verbunden mit der Überschußrente (klassische Rentenversicherung) , die in ihrer Anrechnung für den hier formulierten Zweck mit einem Abschlag einbezogen werden könnte, möglich wäre.

Heute am 2.1. kam eine weitere zu erwartende Antwort. Diesmal im Handelsblatt. Die Interessenvertretung der Freien Berufe (BFB), lehnt eine Versicherungspflicht für die Selbständigen ab, “…Der mangelnde Ertrag ist bei denjenigen, die heute nicht vorsorgen, regelmäßig die Ursache”.
http://mobil.handelsblatt.com/;type=artikel/unternehmen_prio/6011124

Die Praktiker wissen, dass ist einfach zu kurz gedacht. Die Ursachen sind deutlich umfangreicher.

3.1.12  Heinrich Kolb, sozialpolitischer Sprecher der F.D.P  begrüßt die Pläne der CSU. siehe Artikel im Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/selbstaendige-zur-altersvorsorge-verpflichten/6008040.html Somit stehen alle Parteien im Bundestag für eine verpflichtende Versicherung. Arbeitnehmerflügel der CDU sowie die Ministerin von der Leyen, SPD, Grüne und Linke sind für eine Integrierung in die gesetzliche Rentenversicherung. CSU und FDP für eine Verpflichtung mit Wahlmöglichkeit. Diese wäre vernünftig und gerecht.

Was meinen Sie, warum Selbständige nicht genügend vorsorgen?

 

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